Und Sie wollen also Bundesrat werden

Kein Karriereschritt, sondern eine Bestimmung: Die Vereidigung zum Bundesrat. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

Sie wollen in naher Zukunft Bundesrat werden? Und Sie befinden sich bereits in aussichtsreicher Position, sind zum Beispiel FDP-Ständerat aus der Ostschweiz oder CVP-Präsident oder einfach etwas gelangweilt in ihrem Job in dieser Zentralschweizer Kantonsregierung und Ihre Karriere braucht einen neuen Kick? Wir können Ihnen helfen: So kommunizieren Sie sich in die Landesregierung.

Was Sie lassen sollten

Im Grunde genommen ist es ganz einfach. Lächeln Sie. Seien Sie freundlich. Antworten Sie stets offen und ehrlich.

Aber:

Sagen Sie niemals, dass der Bundesrat für Sie ein guter Karriereschritt wäre. Bundesrat ist eine Bestimmung. Wie Papst. Wollen Sie eine Karriere? Versuchen Sie es drüben bei Jobs.ch.

Sagen Sie niemals, unter keinen Umständen, dass Macht Sie schon immer fasziniert hat. Macht gibt es nämlich nicht im Bundesrat. Es gibt nur Arbeit, Verantwortung, Pflichtgefühl und Demut.

Sagen Sie niemals – wirklich: gar nie! –, dass Sie im Bundesrat etwas verändern wollen. Der Bundesrat ist der Anker des Landes in den Stürmen der Zeit. Seit 1848. Hier soll, darf und wird sich nichts verändern. Niemals.

Sagen Sie auch niemals, dass Sie ausserhalb des Bundesrats etwas verändern wollen. Denn wollten Sie etwas verändern, könnten Sie ja in der Ostschweiz bleiben oder im Tessin oder in der CVP-Parteileitung, wo es Veränderung sehr viel dringender braucht als in Bern.

Seien Sie überhaupt sehr vorsichtig mit dem Motiv der Veränderung. Sonst fragen die Medien nämlich, was Sie denn schon so Bedeutendes verändert haben und – uiuiui – diese Frage nimmt für Sie gar kein gutes Ende.

Spielen Sie die Change-Karte!

Einzige Ausnahme: Haben Sie in Ihrer Laufbahn schon mal ein Amt reorganisiert oder eine Verwaltungsreform umgesetzt? Möglicherweise sogar eine neue Ämterordnung entworfen oder einen Aufgabenentflechtungsplan? Falls ja: Spielen Sie die Change-Karte bei jeder Gelegenheit. Auf einen Reformer von Ihrem Schlage hat die Bundesversammlung gewartet.

Sagen Sie niemals, unter gar keinen Umständen, dass Sie sich für ein bestimmtes Departement interessieren. Ihre neuen Kollegen im Bundesrat werden ihnen sowieso das Verteidigungsdepartement anhängen.

Sagen Sie auch nicht, Sie wollen das Verteidigungsdepartement. Glaubt keiner.

Was ebenfalls niemand glaubt: Wenn Sie sagen, dass Sie schon als Kind davon geträumt haben, einmal Bundesrat zu sein. Wäre auch schlimm, wenn es zutreffen würde. Die Bundesräte Ihrer Kindheit waren Typen wie Hans Schaffner (1961–1969) und Rudolf Gnägi (1966–1979). Biedere Langweiler.

Karrierekiller Nr. 2

Sagen Sie nie, nie, nie, Sie seien Ihren Konkurrenten überlegen. Selbstbewusstsein ist in Bern der Karrierekiller Nummer zwei. Gleich nach Gestaltungswillen.

Sagen Sie auch nicht einfach nichts. Geheimnisvolle Verschwiegenheit ist nur zu Beginn interessant. Recht schnell wird man Sie für feige und entscheidungsschwach halten oder, viel verheerender für Ihre Wahlchancen, für schlau und abgefeimt.

Schweigen ist sowieso eine heikle Strategie. Insbesondere dann, wenn Ihr Schweigen von niemandem bemerkt wird. Am Ende weiss die Bundesversammlung gar nicht, dass Sie Bundesrat werden wollen. Und dann machen Sie dem verdutzten Lokalredaktor der örtlichen Zeitung beim nächsten Treffen Vorwürfe, er habe Ihre Bundesratsambitionen böswillig totgeschwiegen und der Öffentlichkeit vorenthalten und Ihre Karriere damit abgewürgt. Ist alles schon vorgekommen.

Schliesslich: Wenn Sie Bundesrat werden wollen, sagen Sie es zuerst den hervorragenden Journalisten vom «Tages-Anzeiger».

In diesem Sinne: Alles Gute!

13 Kommentare zu «Und Sie wollen also Bundesrat werden»

  • Roland Peier sagt:

    Echt guter Artikel. Bravo! Im Prinzip wird klar vor Augen geführt, wie lächerlich unser System ist. Unternehmerische Qualifikationen oder selbstbewusstes Auftreten sind nicht gefragt. Aber u.a. „Demut“. Ja, echt, mit einer solch antiquirierten Eigenschaft kommt man in der heutigen Welt weiter!

    • Thomas Hartl sagt:

      Mit unternehmerischen Qualifikationen und selbstbewusstem Auftreten bin ich seit Trumps Wahl vorsichtig geworden. Einen solchen Immobilien-Clown brauchen wir nun wirklich nicht in unserem Bundesrat. Da wünsche ich mir Mitgefühl und Kommunikationsfähigkeit schon eher als Tugenden eines Bundesrates.

      • Roland Peier sagt:

        Mit Kommunikationsstärke bin ich völlig einverstanden. Aber Mitgefühl etc. machen nicht einmal die halbe Miete. Ich denke, Trump hat viel mehr erreicht als ich und Sie. Den grundsätzlichen Leistungsausweis hat er. Und dass er nicht zum weltweit verfilzten Establishment gehört, ist sympathisch. Wenn Sie z.B. einmal Fox News sehen, herrscht ein ganz anderer Tenor zu Trump, als uns CNN und die europäischen linken Medien vermitteln wollen.

      • r.meier sagt:

        als Tagi-leser kennen Sie natürlich nur die eine Seite,

      • Martin sagt:

        @Hartl: Mitgefühl? Mit wem? Mit der eigenen Bevölkerung hoffe ich! Ich hätte gerne mal einen Bundesrat, der ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung hat. Vielleicht sogar ein Gespür dafür. Der sich nicht zu „wir schaffen das“ Politik à la Merkel hinreissen lässt. Dann gibt es keine „Rassismus Debatten“ oder dergleichen mehr. Einer, der Fremdsprachen beherrscht, Anstand, Stil und über diplomatisches Geschick verfügt. Trotzdem sollte er/ sie mit schweizerischen Traditionen vertraut sein und diese auch schätzen (bspw. Sturmgewehr zu Hause usw.). Zudem sollte er/ sie die CH-Verfassung sowie die Menschenrechte gelesen und verstanden haben. Technische Affinität wäre auch wünschenswert (siehe Energiegesetz!!!).

    • Martin Frey sagt:

      Demut ist alles andere als antiquiert Herr Peier, im Gegenteil würde ein bisschen Demut den meisten Exekutivpolitikern nicht schaden. Gerade auch denen die sich Unternehmer schimpfen.
      Trump ist da nachgerade ein gutes Beispiel. Zudem, wenn man vorhin genau hingeschaut hätte, dann wüsste man, dass es auch mit seinen unternehmerischen Fähigkeiten nicht weit her ist. Als Immobilienhai mag das, was er kann und macht, allenfalls noch funktionieren. In jeder anderen Branche und Funktion ist er jedoch aufgeschmissen, nüchtern betrachtet.

  • Röschu sagt:

    Ganz witzige Liste, nur: heutzutage reicht es bereits wenn man das richtige Geschlecht hat und/oder aus der richtigen Region kommt, um als aussichtsreiche/r BundesratskandidatIn gehandelt zu werden…

  • Alexander Wetter sagt:

    „lächeln, freundlich, offen und ehrlich“ : aha – während vier Jahren muss ein BR nicht gerade etwas hervorragendes leisten, wie wir täglich sehen und lesen, hat dabei CHF 500’000 Jahreseinkommen, danach CHF 250’000 pro Jahr Pension und verdient beachtlich viel in der Privatwirtschaft als Berater und VR-Mitglied mehrerer Gross-Konzerne – eine interessante Perspektive, oder ?

    • Roland Peier sagt:

      Und sind unsere Grosskonzerne erfolgreich. Man bringt es ja nicht einmal mehr hin, die Spitze mit eigenen Leuten zu besetzen. Superberatung durch die Beamten BR.

  • Sabine Glaus sagt:

    In der Schweiz regiert die Verwaltung. Bundesräte kommen und gehen. Die Chefbeamten bleiben, denen ist es egal, wer unter ihnen Bundesrat ist. Ein Vorteil ist dasselbe Parteibuch, das sichert den Arbeitsplatz. Andernfalls hilft ein Transfer in ein anderes Departement.

  • Mäder Elsbeth sagt:

    Ein wunderbarer Text, so richtig zum Schmunzeln, merci Christoph Lenz!
    Habe ihn heute Abend meinem Mann vorgelesen, damit wir beide etwas zum Lachen hatten.
    Grüsse aus der Ostschweiz!

  • Martin Frey sagt:

    Das war jetzt mal eine witzige, leider sehr treffende Aufzählung. Anfügen könnte man nur noch die Empfehlung, dass analog irgendwelchen Miss-Wahlen jemand anders einen angemeldet hat. Dass man das alles gar nie wollte sondern quasi berufen wurde.
    Und ganz wichtig, da etwas zuwenig hervorgehoben: Biedern Sie sich beim politischen Gegner an. Wirken Sie dabei schwach, charakter- und prinzipienlos, dafür fad und opportunistisch. Dies erhöht Ihre Wahlchancen massiv, da traditionell der politische Gegner zu Amt und Würden verhilft, nicht die eigene Partei. Und der politische Gegner wählt grundsätzlich immer die schwächere, opportunistische Figur, wenn er eine Wahl hat. Denn es geht ja nie um die beste Wahl zum Wohle des Landes, sondern darum, dem Gegner ein Kuckucksei ins Nest zu legen.

  • werner boss sagt:

    Warum kommen nur die aller-aller-allerlangweiligsten Themen im Politblog?

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