Es geht um weit mehr als bloss Bildung

Die Gesellschaft wandelt sich radikal. Doch dafür brauchen Kinder – und wir alle – das nötige Rüstzeug. Foto: Elaine Thompson (AP Photo, Keystone)

Eigentlich wollte Johann Schneider-Ammann dem Bundesrat und Parlament nach der Sommerpause 150 zusätzliche Millionen für die digitale Bildung beantragen. Das hat leider nicht geklappt.

Trotzdem zeigt sich nach all den Sparübungen, dass der Bildungsminister die Zeichen der Zeit erkannt hat. Er will sich später nicht vorwerfen müssen, sagte er, etwas verpasst zu haben. Tatsächlich verändert sich die Arbeitswelt. Berufe verschwinden und neue entstehen. Es findet ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel statt. Die Diskussion über Maturitäts- und Akademikerquoten ist nur ein Symptom davon. Eigentlich geht es dabei gar nicht um Bildung. Es geht einfach um das Leben in einer veränderten Welt. Die Digitalisierung ist nur ein Aspekt dieses Wandels. Als weitere Megatrends werden zum Beispiel im Projekt «Berufsbildung 2030» Globalisierung, Dienstleistungsgesellschaft, demografischer Wandel und Upskilling genannt. Unter Upskilling schreiben die Vertreter der Berufsbildung: «Die Erwerbstätigen weisen ein immer höheres Ausbildungsniveau aus.»

Die Arbeitswelt schafft Fakten

In diesem Bildungsblog habe ich für eine höhere gymnasiale Maturitätsquote geworben sowie für eine «Matura für alle», also dafür, dass nicht nur einige, sondern alle Jugendlichen einen unserer drei Maturitätstypen erwerben sollen: die gymnasiale Maturität, die Berufs- oder Fachmaturität. Die Millionen für die digitale Bildung bestätigen die Stossrichtung dieses Blogs. Der Prozess des Upskillings fragt nicht danach, ob wir das möchten. Die Arbeitswelt schafft Fakten – die kann man gut oder schlecht finden, doch entziehen kann man sich ihnen nicht.

Gerade die Schweiz ist ein Land, das vom Upskilling besonders stark betroffen ist. Wir sind kein Billiglohnland, sondern die internationale Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft liegt in der Innovationskraft von Hochqualifizierten. Unsere Städte weisen mittlerweile einen Akademikeranteil von über 50 Prozent aus. Trotzdem leisen wir uns immer noch eine rekordtiefe Maturitäts- und Akademikerquote. Noch immer lassen wir einen Grossteil unserer Kinder und Jugendlichen zurück auf dem Weg in eine Zukunft, die andere, höhere Anforderungen an sie stellen wird. Noch immer nehmen wir hin, dass die soziale Herkunft über Bildungswege und -abschlüsse entscheidet, statt mit einer Ausweitung der Schulpflicht alle mitzunehmen und so für mehr Chancengerechtigkeit zu sorgen.

Das Bildungssystem muss gehoben werden

Mittel für die digitale Bildung wären eine gute Sache, doch damit ist es nicht getan. Das gesamte Bildungssystem muss auf ein neues Level angehoben werden. Die Diskussionen um die Notwendigkeit höherer Bildung sind müssig. Die Forderungen aus diesem Blog werden laufend zu neuen Tatsachen. Falls wir uns irgendwann daran erinnern, werden wir sie reichlich antiquiert und ein wenig putzig finden. Die Veränderung kommt sowieso. Die Frage ist: Wollen wir ständig lückenfüllend hinterherhinken? Oder wollen wir sie aktiv und ein bisschen gerechter gestalten? 

61 Kommentare zu «Es geht um weit mehr als bloss Bildung»

  • werner boss sagt:

    Das tönt alles schön und gut, aber lernen muss man auch WOLLEN ! Es reicht nicht Millionen in Ausbildungsstätten zu stecken, wenn gleichzeitig auf einer anderen Ebene den Jungen vorgegaukelt wird, es sei so was von Sinnlos sich noch eine Arbeit zu suchen und man würde besser ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen, welches im Endeffekt jegliche Anstrengung erspart, aber irgendwo von ein paar wenigen aufgebracht werden müsste! Ferner genügt es nicht, dass “ wichtige“ Eltern die Lehrer ihrer Gofen unter Druck setzten um zu guten Noten ,derselben zu gelangen, die Leistungen müssen der Tatsache entsprechen.

    • Thomas Hartl sagt:

      Kinder brauchen keine künftigen Jobaussichten um lernen zu wollen, sie saugen Wissen geradezu gierig in sich auf. Wenn sie diese Fähigkeit verlieren, ist das ein Zeichen, dass wir versuchen Daten und Fakten auf eine fantasielose Art und Weise in sie hineinzustopfen. Sobald Kinder und Jugendliche nur noch lernen, weil sie es für irgend einen Job brauchen werden, haben wir verloren, dann fehlt nämlich jede Begeisterung. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist daher kein Motivationskiller, sondern eine Chance für Erwachsene, sich noch neues Wissen beibringen zu können, und zwar nicht nur jenes, mit dem der Arbeitgeber die Produktivität kurzfristig optimieren will.

      • Anna Meier sagt:

        @Hartl „Kinder brauchen keine künftigen Jobaussichten um lernen zu wollen, sie saugen Wissen geradezu gierig in sich auf.“
        Ach wirklich? Sind Sie Lehrer?
        Kinder sind nicht alle gleich, wie auch die Erwachsenen nicht, auch wenn das gewisse Leute gerne hätten.

      • werner boss sagt:

        Hartl, das glauben auch nur Sie! “ Zumindest “ Pilot oder Lockführer wollten die meisten von uns schon mal werden, nur wie man das wird, das ist dann die andere Frage!
        Dass bereits gute Einkommen Motivationskiller sind, liese sich sehr leicht nachweisen, ich möchte da aber niemandem zu nahe treten!! Bitte Zeitung selber lesen!

    • Reto Stadelman sagt:

      Das Grundeinkommen dürfte der Bildung wohl kaum im Weg stehen. Etwas anders sieht es bei der „Bildungslüge“ aus. Gebildete Leute haben gewisse Ansprüche an die Arbeitgeber, sowohl was den Inhalt der Arbeit aber auch das Gehalt angeht. Aber diese wollen oder können diese oft nicht erfüllen. Das ist sehr demotivierend. Wenn man sieht, dass man so viele Jahre sein Wissen ausgebaut hat und letztlich trotzdem einer sinnlosen Tätigkeit nachgeht, dann ist das Motivationskiller Nr. 1…

    • Renato Re sagt:

      Boss, Kinder wollen immer lernen. Habe selbst vier Söhne grossgezogen. Alle wollten immer neues lernen. Auch ihre Freunde und Kameraden waren immer lernbegierig. Nun sind das meine Enkelkinder auch. Also nur eins: beiten wir ihnen die bestmöglichen Chancen und das Erfolgsmodell Schweiz kann weiter gedeihen.

  • Simone S. sagt:

    Die Stärke der Schweiz ist gerade die duale Ausbildung. Dem rein akademischen Weg fehlt oft der Praxi-Bezug. Bei der Fixierung auf Leistung, gemessen an Noten, sehe ich eine grosse Schwäche unseres Bildungsystems. Die Jungen lernen nicht intrinsisch motiviert sondern um den Ziel-Notendurchschnitt zu erreichen. Mehr akademische Laufbahnen bedeuten mehr Papiere/Ausweise aber nicht zwingend mehr Kompetenzen!

    • Ralf Schrader sagt:

      Nennen Sie mal einen Beruf des Jahres 2045, den man ohne Matura ausfüllen kann.

      • Mark Keller sagt:

        Als ich 1971 mit einer Berufslehre begann, wusste ich auch noch nicht welchen Beruf ich im 2017 mal ausüben würde. Diesen Beruf gab es damals noch gar nicht.

        Und was machen all die Menschen, die es 2045 nicht schaffen, einen Matura-Abschluss zu machen?

      • Egon Küng sagt:

        Eine Matura oder eine akademischer Titel garantiert absolut nichts. Vor allem nicht, dass dieser Mensch auch fähig ist, eine Arbeitsstelle auszufüllen. Die Bildung besteht nur noch aus Titel, Credits und zu wenig aus effektiven Skills, nicht zu vergesse die Soft Skills

      • Walter Boshalter sagt:

        Sämtliche Berufe, die man nicht durch KI / Roboter ersetzen kann.

        • Ralf Schrader sagt:

          So pauschal stimmt das, nur welche Berufe sollen das sein?

          Nimmt 2045 ein Mensch noch ein Werkstück oder ein Werkzeug in die Hand? Nein, ausser wenn es sich um Kunst oder Hobby handelt.

          Wird die Software 2045 von Menschen oder von Software geschrieben und gewartet? Natürlich nur noch von Software.

          Wer schreibt 2045 Gesetze und politische Programme, oder Unternehmenspläne? Ausschliesslich Software.

          Wer regiert? Software.

          Dem Menschen bleibt nur die Arbeit am Menschen. Bildung, Alten- und Krankenpflege und Medizin. Alles Berufe, für die man Matura braucht. Es wird keinen Beruf mehr mit niedrigeren Ansprüchen geben.

          • maia sagt:

            Warum benötigt man für diese Berufe Matura?

          • Thomas Hartl sagt:

            Ich arbeite in der Softwarebranche und bin nicht ganz so optimistisch was die Geschwindigkeit von Digitalisierung und Automatisierung betrifft. Wenn ihre Vision zur Realität wird, dann wohl eher um 2100. Ob dann für alle Berufe eine Matura nötig ist, hängt davon ab, wie eine Matura dann aussieht. Heisst Matura weiterhin ein breites Wissen nachweisen zu müssen, dann eher nein. Wird die Maura zum Nachweis geistiger Flexibilität, Kreativität und sozialer Kompetenz, dann vielleicht ja.

          • Ralf Schrader sagt:

            Sicher hängt es nur davon ab, was man unter Matura versteht. Ein breites Wissen braucht man nur, damit das Gehirn ständig Verknüpfen üben kann. Für sich hat Wissen keine Bedeutung (mehr).

            Schule einschliesslich Matura bedeutet Lernen lernen. Alles andere bleibt im Hintergrund. Deshalb gehören komplexe Themen der Philosophie, Politik, Sozialwissenschaft an die Seite der harten Wissenschaften, was ein bestimmtes Alter und Vorbildung voraussetzt. Aber eben nicht um derer selbst willen, sondern als Hirnfutter, um Intelligenz zu trainieren.

            Die Jahreszahl 2045 ist nicht von mir, die kommt aus dem Konzept des Posthumanismus, also der Gesellschaft, in welcher maschinelle Intelligenz die des Menschen in Politik und Technologie vorerst ablösen.

          • Peter Lustig sagt:

            Und die Mehrheit der Menschen wird in irgendeinem Wohnsilo mit allem versorgt von Geburt an auf den Tod warten. Das ist eine sehr üble Dystopie, die Sie da zeichnen. Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr

    • Daniel Caduff sagt:

      Zitat aus dem Text:

      „In diesem Bildungsblog habe ich für eine höhere gymnasiale Maturitätsquote geworben sowie für eine «Matura für alle», also dafür, dass nicht nur einige, sondern alle Jugendlichen einen unserer drei Maturitätstypen erwerben sollen: die gymnasiale Maturität, die Berufs- oder Fachmaturität.“

      Ihr Argument ist ungültig.

      • Peter Lustig sagt:

        Wollen Sie denn die Ansprüche dermassen senken oder einfach alles Matura nennen, Herr Caduff? Denn eines ist sicher: nicht alle Menschen bringen die Voraussetzungen für eine Maturität mit wie sie heute (oder mehr noch, vor 40 Jahren) waren. Verstehen sie mich nicht falsch: Intelligenz macht einen Menschen nicht wertvoller, eine Matur auch nicht. Aber die Menshcen macht es doch am zufriedensten, wenn sie ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden.

    • Ka sagt:

      Vielen Dank für diesen kritischen Standpunkt. Herr Pfister vergisst immer, dass es auch junge Menschen gibt, die genug von der Schule haben und in der Praxis dann plötzlich wie von alleine lernen. Das habe ich nun schon oft miterlebt. Gerade für diese Jugendliche ist es oft wie ein Befreiungsschlag, wenn sie mit 15/16 endlich die Schule hinter sich lassen können. Wieso diese noch weiterhin qualvoll mit theoretischem Wissen vollstopfen? Genau da können sie ihre Stärken nicht anbringen, was sie wieder und wieder erleben ist das Scheitern, in der Praxis sind sie dagegen gebraucht und da erfahren sie das nötige Selbstvertrauen. Diese Praxiswissen ist genauso wertvoll und sollte von der Gesellschaft mehr Anerkennung erhalten.
      Was

      • Renato Re sagt:

        Ka, aber Sie könne eine Matura auch noch 20 Jahre später nachholen. Auch ein Studium mit 50 oder 60 ist machtbar und wird auch heute schon praktiziert. Ich rede da aus meiner Verwndtschaft.

  • sepp z. sagt:

    Vor allem gälte es, die ungleiche Maturaquote von Mädchen und Knaben in der Schweiz zu hinterfragen und zu korrigieren. 2012, die letzten Zahlen die mir vorliegen, betrug die Maturaquote bei Mädchen 23%, bei Knaben nur 16% (Quelle Bfs). Diese ungleiche Förderung ist stossend und schadet längerfristig der Schweizer Gesellschaft und Wirtschaft, und sie wiederspricht der Chancengleichheit der Geschlechter.

    • Peter Lustig sagt:

      Unsinn, Jungs zieht es eher in Berufe, die keine Matur brauchen, Mädchen eher in Berufe, die (teilweise unsinnigerweise) Matura brauchen.

      • Fritz sagt:

        Falsch, Herr Lustig. An den Übetrittsprüfungen und in den Zeugnissen werden Französisch und Deutsch gleich gewichtet wie Mathe. Es ist also ein Verhältnis von 2 – 1. Die Jungs sind besser und motivierter in Mathe, die Mädchen in den Sprachen. Wer hats nun leichter ins Gymnasium zu kommen?

    • Renato Re sagt:

      Sepp, sind Sie sicher, dass hier die Chancengleichheit nicht gewährleistet wird. Ich sehe, aus Erfahrung, hier eher die Lenkung der Eltern. Mädchen in Pflege- und Bildungsberufe Knaben in die Berufslehre dann haben sie endlich einen Abschluss. Nun brauchen aber erstere zweingend eine Matura.

  • Paul Kaegi sagt:

    Die Zeiten ändern sich auch in der Bildung. Was frührer Haushaltfächer oder Handwerksfächer waren, hat sich verlagert in die Digitalfächer und ihre Anwendungen. Es gibt ja noch die Freizeit für die, die gerne stricken oder kochen möchten.

    • champedissle sagt:

      Ja und die wissen wie ein Gurke oder ein Radieschen aussieht. Kühe werden gerne mit Pferden verwechselt, aber das ist ja egal, Hauptsache man weiss wie man völlig unnütze App’s runterlädt und damit seine Lebenszeit vergeudet. Sie haben schon recht.

    • Mark Keller sagt:

      Genau, bei den Grossverteilern gibt es ja schliesslich Fertigmenüs und beim Fust Mikrowellen. Wer muss da noch kochen können!

      • Hans sagt:

        Astronautennahrung wäre noch einfacher. Nur eine Tube ins Maul drücken. Fortschritt soll ja alles einfacher machen.

  • Robert G. Berger sagt:

    Was immer wieder falsch verstanden wird: Die Schule soll in allen kulturellen Bereichen Entwicklung ermöglichen. Sie dient primär der Entfaltung der menschlichen Seele und ist kein Zulieferer für die Firmen der Arbeitswelt. Dennoch ist sie ein Ort, der Leistung, in welcher Form auch immer, verlangt.
    Die Berufs- und Weiterbildung sind ein anderes Paar Schuhe und sollten deutlich von der Grundbildung Schule unterschieden werden.

    • Renato Re sagt:

      Berger, zählen Sie unsere Forschungs- und Bildungsstätten, das Pflege- und Gesundheitswesen auch zu den „Firmen der Arbeitswelt“? Dort brauchen wir in der Zukunft unser Arbeitskräfte. Die erfordern aber eine tertiäre Ausbildung. Fachleute für Reinigungsarbeiten haben wir im Überschuss oder können sie importieren. Da herrscht kein Mangel.

  • Guido Biland sagt:

    Dass ein Gymilehrer und Bildungsjournalist mehr Mittelschüler und mehr Bildung fordert, ist nicht überraschend. Aber er verkennt die Dynamik der künstlichen Intelligenz. Vernetzte Computer mit lernfähigen Algorithmen übernehmen immer mehr Denkleistungen in der Wertschöpfung, wahrscheinlich auch in der Bildung. Sie sind für immer mehr Aufgaben immer besser und sicher billiger als Menschen. Es braucht in der Gesellschaft der Zukunft also nicht mehr allwissende Mitarbeiter, sondern mehr Menschen, die etwas Sinnvolles mit Ihrem Leben anzufangen wissen. Gefragt sind also in erster Linie Kreativität und Sozialkompetenzen. Akademisches Wissen liefern künftig vorwiegend Maschinen, die von superintelligenten Eliten programmiert werden.

    • Ralf Schrader sagt:

      Nur die erste Generation der KI wird von Menschen, die Sie superintelligente Eliten nennen (warum?), programmiert. Danach programmiert die KI sich selbst. So wie Roboter wieder Roboter bauen.

      Was immer Sie unter Eliten verstehen, im Zeitalter von Industrie 4.0 und KI werden auch die vollständig überflüssig.

    • Hans sagt:

      Ich möchte Ihre Liste noch ergänzen: In Zukunft wird auch das Vermögen, das reine Sein nicht nur zu geniessen, sondern überhaupt zu ertragen wichtig sein.

  • Kurt Bucher sagt:

    Interessant, aber was genau und im Konkreten muss verbessert und erleichtert werden im Bildungssystem? Staatshilfe für weniger bemittelte für Gymnasien und Uni-Besuch? Philosophen und Geologen finden dann sofort Arbeit? Oder wissen wir, welche Ausbildung in 10 Jahren wichtig ist? Chemiker, Physiker, IT und Igenieure? Und wem das nicht gefällt hat sich anzupassen, oder lernt gleich Elektriker oder Sanitär, die braucht es nämlich immer.

    • Ralf Schrader sagt:

      Sie glauben nicht im Ernst, dass es in 20 Jahren noch Handwerker gibt? Kunsthandwerk, Goldschmiede, meinetwegen. Aber doch keinen Sanitär. Das machen autonome Roboter.

  • Röschu sagt:

    Die „Matura für alle“ würde das Bildungsniveau insgesamt herabsetzten. Denn damit wirklich alle die Matura erhalten können, müssten die Anforderungen auf die Fähigkeiten der Schwächsten reduziert werden. Mal ganz abgesehen davon, dass ein Abschluss, den schlicht alle erhalten, gar keinen Wert hat.

    • Trice sagt:

      So ist es.
      Aber heute darf man nicht mehr von unterschiedlicher Leistungsfähigkeit sprechen, die modernen Schulreformer haben beschlossen, dass alle Kinder gleich sind.

    • Renato Re sagt:

      Röschu, „Matura für alle “ heisst nicht, dass alle die Matura abschliessen sondern alle Zugang dazu haben. Das ist heute nicht so. Fehlende finanzielle Mittel im elterlichen Haushalt uder Bildungsferne der Eltern verhindern das leider allzuoft.

      • Röschu sagt:

        @Renato Re
        Ihre Variante der Auslegung ist natürlich viel sinnvoller. Auch ich bin der Meinung dass alle (unabhängig von Herkunft, finanziellen Möglichkeiten, etc.) die Möglichkeit erhalten sollen die Matura abschliessen zu können.
        .
        Herr Pfister forderte aber eben tatsächlich, dass ausnahmslos alle Schüler eine Matura abschliessen müssen(!) (u.a. durch Verlängerung der Schulpflicht und Berufsmatur-Zwang bei eine Lehre)!
        Den entsprechenden Blogeintrag finden sie hier: http://blog.tagesanzeiger.ch/politblog/index.php/66194/matura-fuer-alle/

    • Hans sagt:

      Der Bildungsjournalist hat nicht nachgedacht. Er könnte geradesogut auch fordern: Lehre für alle. Es wäre dasselbe.

  • Ralf Schrader sagt:

    Der Begriff ‚Digitalisierung‘ verrät eine gewisse Unsicherheit dessen, der diesen benutzt. Das Digitale ist ja nur die Methode, nicht der Inhalt des Einbruchs von Informatik in alle Bereiche des tägliche Lebens.

    Was muss der Bürger 2045 davon verstehen, wie Informatik funktioniert? Vermutlich noch weniger als heute. So wie heute fast jeder Auto fahren kann, aber kaum jemand das noch reparieren kann. Vor 20 Jahren war es noch ganz anders.

    Meine Prognose ist. ‚Digitalisierung‘ ist bildungsirrelevant Allerdings freut sich die Branche, wenn Steuermillionen für Informatikspielzeug in der Schule verpulvert wird. Bildung bringt das keine.

  • champedissle sagt:

    Bildung beginnt im Elternhaus. Man kann nicht immer teurere Bildungssysteme vom Staat verlangen, wenn das Elternhaus seinen Grundauftrag nicht wahr nimmt. Heute werden Kinder „geparkt“, damit man sich verwirklichen kann. Dann ein besseres Bildungssystem, sprich neue „Parkplätze“ für die Jugend zu fordern kann nicht Sinn und Zweck des „Kinder bekommens“ sein. Das ist schlussendlich Privatsache und wird sogar vom Staat (unerklärlicherweise) subventioniert (Kinderzulagen) und dies, obwohl die Welt eine Zuwachsrate hat die direkt in die Katastrophe führt.

  • Hannes Trachsler sagt:

    „Trotzdem leisen wir uns immer noch eine rekordtiefe Maturitäts- und Akademikerquote“. Mir leuchtet dies Aussage nicht ein.
    Unser Berufsbildungssystem zeichnet sich genau dadurch aus, dass es ein umfangreiches und durchlässiges Angebot für Praktiker bietet. Die höhere Berufsbildung betreibt erfolgreich Upskilling seit Jahrzehnten! Durch die berufliche Weiterbildung werden Berufsleute zu hochqualifizierten Spezialisten. Und zwar auch ohne Matur oder Berufsmatur. Um einen Betrieb in die digitalisierte Wirklichkeit zu überführen, braucht es innovative Berufsleute, die mit branchenbezogenem Fachwissen die Chancen erkennen und ergreifen. Innovation passiert durch das Zusammenspiel von Menschen, die etwas können. Die Maturitätsquote ist der falsche Messwert!

    • Renato Re sagt:

      Trachsler, aber dann nicht wieder reklamieren, dass Zuwanderer mit ihren besseren „Papieren“ höhere Chancen haben einen guten Job zu erhalten. Ausländer werden darum häufig schweizerischen Bewerbern vorgezogen. Dank ihren Ausbildungsnachweisen. Ich verstehe das auch und kann es befürworten. Somit ist also klar wo wir ansettzen müssen.

  • Thomas Hartl sagt:

    Das Bildungssystem muss gehoben werden, das muss aber nicht zwingend über eine höhere Maturitätsquote erfolgen. Eine Matura ist ein Leistungsnachweis, dass sich jemand ein breites Wissen über viel Fachgebiete erworben hat, von Naturwissenschaft und Mathematik über Sprachen, bis zu Geschichte und Kunst. Das überfordert viele Menschen, die aber in einzelnen Fächern durchaus in der Lage sind, phantastische Leistungen zu erbringen. Für sie bringt der Bildungsweg über eine Berufslehre mit nachfolgender Fachhochschule mehr. Auch dieser Weg lässt sich aufwerten, ohne Jugendliche zur gleichzeitigen Leistung in allen Fächern zu zwingen.

    • Trice sagt:

      Stimme voll und ganz zu.

    • Reto Stadelman sagt:

      Lieber Herr Thomas Hartl
      Ich glaube, dass sie etwas Wichtiges nicht verstanden haben. Eine FH ist kein Abstellplatz für die welche zu dumm sind ans Gymi zu gehen, auch wenn in diesem Blog diese These einem gerne und immer wieder in anderer Form unter die Nase gerieben wird. FH Absolventen können nichts dafür, dass Uniabsolventen, die eigentlich forschen sollten, mit ihnen um Arbeitsplätze konkurrieren. Daher kommt ja letztlich der Konkurrenzgedanke.
      Also sparen sie sich ihren gönnerhaften Ton. Eine Aufwertung „dieses Weges“ ist nicht nötig. Die Gesetzeslage der Schweiz (aber auch international gemäss Bologna) ist eindeutig. Das gilt für die Abschlüsse der FH bzw. der Uni. Wenn sie besser schlafen können, dann dürfen sie FH Abschlüsse aber natürlich als „halbseidene“ Abschlüsse sehen.

      • Thomas Hartl sagt:

        Ich denke sie verstehen mich ziemlich falsch, Herr Stadelman. Ich habe selber einen FH Abschluss und ich schreibe, dass dieser Bildungsweg aufgewertet werden sollte, weil Bewerber mit FH von ausländischen HR-Mitarbeitern eben oft noch nicht gleichwertig zu anderen behandelt werden. Ich habe in meinem Berufsleben oft erlebt, dass Mitarbeiter mit FH bessere und pragmatischere Arbeit abliefern, als ehemalige Maturanten, daher hat mein Anliegen absolut nichts mit Gönnerhaftigkeit zu tun.

        • Reto Stadelman sagt:

          Dann war das ein Missverständnis von meiner Seite. Ich entschuldige mich dafür.
          FHs haben einen anderen Schwerpunkt als Universtiäten. Nicht das Forschen steht im Zentrum, sondern die praktische Anwendung in der Wirtschaft. Ich würde daher auf Adjektive wie „besser“ oder „schlechter“ gänzlich verzichten.

    • Renato Re sagt:

      Hartl, das meint Pfister auch. Er spricht ja von Berufs- und Fachmaturität.

  • Walter Boshalter sagt:

    Kein Problem mit der Matura für alle – sofern die Universitäten dann noch eigene Aufnahmeprüfungen gestalten dürfen.

  • Pjotr Traichel sagt:

    Als ob man eine höhere Bildung befehlen könnte. Ich behaupte: je geringer die Quote der Abiturienten eines Landes, desto qualifizierter dessen Bildungssystem. Denn Elite „kann nicht jeder“.

    • Renato Re sagt:

      Traichel, es geht nicht um Elite. Wir müssen es einfach schaffen, dass jeder der kann und will Zugang zu einer Matura erhält. Da sind wir leider noch meilenweit entfernt!

  • Mara sagt:

    Ungerecht für unsere Kinder ist die Tatsache, dass z.B. das deutsche Abitur (deutlich tiefere Anforderungen als die Schweizer-Matura) ebenfalls dazu befähigt, an der schweizerischen Universitäten zu studieren. Das deutsche Abitur schaffen auch die durchschnittlichen Schüler, im Gegensatz zur Matura in der Schweiz. Abgesehen davon müssen die Deutschen für ihre Maura auch nicht mind. zwei Fremdsprachen abschliessen, was den weniger Sprachbegabten ein Vorteil bringt. Daher sollte es auch möglich sein, ein deutsches Abitur in der CH abzulegen. Ich höre bereits den Aufschrei, aber es wäre zumindest fair für diejenigen, die an den Universitäten studieren möchten. Ja, es gibt die, die das lieber täten als eine Berufslehre!!

  • Frank sagt:

    Die aktuellen %-Zahlen des Bundesamts für Statistik, 2016:

    Maturitätsabschluss total
    Frauen: 43.6%
    Männer: 33.1%

    davon gymnasiale Maturität
    Frauen: 24.2%
    Männer: 16.4%

    Die Maturitätsabschlüsse in der Schweiz vermehren heisst Männern einen besseren Zugang zur Maturität ermöglichen. Ob sich die Linke und die Lehrerschaft daran die Finger verbrennen will? Ich zweifle.

  • Peter sagt:

    Ich gehöre zu den viel zitierten Digital Natives und habe vor rund 15 Jahren die gymnasiale Matura gemacht. Heute arbeite ich als Wirtschaftsinformatiker in dem Bereich BigData, Data Science und Datenanalysen. Hat mir die Matura etwas gebracht? Für meine Persönlichkeit Ja, für mein sich stetig wandelndes Berufsumfeld – Nein. Was ich heute zum Arbeiten benötige bringen sich mein Team und ich Tag für Tag selber bei. Als Arbeitgeber habe ich zudem über Bewerber zu urteilen – ob Matura, Uni, FH, Berufslehre oder Quereinsteiger: Es zählt einzig, was die Leute können und wie rasch sie sich selber Neues beibringen können, Zusammenhänge sehen, Kreativität auch und gerade in technischen Belangen. Man muss diese Fähigkeiten fördern – nicht ein bestimmter Bildungsweg!

  • Hans sagt:

    Die Verbindung zwischen der Forderung, mehr Maturitätsabschlüsse zuungunsten von Berufslehren mit dem (neo-)liberalen Schlagwort, die Arbeitswelt schaffe Fakten (das der Autor unterlegt mit der trivialen Bemerkung, dass technologischer Wandel alternativlos sei), ist willkürlich. Es besteht kein notwendiger Zusammenhang. Es handelt sich also nicht um eine redliche Argumentation, sondern eher um eine subjektive Betrachtung im Sinne einer Meinung. Aber auf diesem fingierten Zusammehang baut der ganze Text auf. Es ist auch nicht redlich, Wandel als alternativlos darzustellen und diese simplizistische und nebulöse Darstellung als Druckmittel zu verwenden. Der Text überzeugt mich überhaupt nicht.

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